PMR446 Funkgeräte: Funken ohne Lizenz

Was du über lizenzfreien Sprechfunk wissen musst – Technik, Reichweite, Regeln

technik 5 Min. Lesezeit

Funken ohne Lizenz – geht das überhaupt?

Ja, und zwar völlig legal. PMR446 steht für Private Mobile Radio¹ auf 446 MHz und ist ein europaweiter Standard für lizenzfreien Sprechfunk. Du kaufst ein Funkgerät, schaltest es ein, und los geht’s. Keine Prüfung, keine Gebühren, keine Anmeldung.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Die Einschränkungen liegen im Detail – aber für viele Anwendungsfälle reicht PMR446 völlig aus.

Die technischen Eckdaten

PMR446 ist kein Wildwest-Funk, sondern streng reguliert:

Parameter Wert
Frequenzbereich 446,0–446,2 MHz (analog)
446,1–446,2 MHz (digital)
Kanäle 16 analog, 16 digital
Sendeleistung max. 500 mW ERP²
Antenne fest verbaut, nicht abnehmbar
Reichweite ca. 1–5 km (je nach Gelände)

Die 500 Milliwatt klingen wenig – und sind es auch. Zum Vergleich: Ein Handy sendet mit bis zu 2 Watt, ein Amateurfunkgerät mit 5–50 Watt. Aber für Kurzstrecken reicht die Leistung.

Die 16 Kanäle

Alle PMR446-Geräte teilen sich dieselben 16 analogen Kanäle:

Kanal Frequenz
1 446,00625 MHz
2 446,01875 MHz
3 446,03125 MHz
4 446,04375 MHz
5 446,05625 MHz
6 446,06875 MHz
7 446,08125 MHz
8 446,09375 MHz
9–16 446,10625–446,19375 MHz

Das bedeutet: Du teilst dir die Frequenz mit allen anderen PMR446-Nutzern in der Umgebung. Bei Großveranstaltungen oder in dicht besiedelten Gebieten kann es eng werden.

CTCSS und DCS: Die Ruhe-Filter

Um nicht jeden Funkverkehr in der Nähe mitzuhören, haben die meisten PMR446-Geräte CTCSS³ (Continuous Tone-Coded Squelch System) oder DCS (Digital-Coded Squelch) eingebaut.

Diese Systeme funktionieren wie ein “Türcode”: Dein Funkgerät öffnet die Rauschsperre nur, wenn es einen bestimmten unhörbaren Ton oder Code empfängt. Das filtert fremde Gespräche aus – aber Vorsicht: Es ist keine Verschlüsselung! Andere können dich trotzdem hören, wenn sie den gleichen Code nutzen oder CTCSS/DCS deaktivieren.

Typische Anwendungen

PMR446 findet sich überall, wo schnelle Koordination nötig ist:

  • Baustellen: Kranführer und Einweiser
  • Events: Security, Ordner, Catering
  • Outdoor: Wandergruppen, Skifahrer, Geocacher
  • Familie: Kinder auf dem Campingplatz
  • Sport: Motorradgruppen, Radtouren
  • Jagd: Treibjagd-Koordination

Die Geräte kosten zwischen 20 und 100 Euro pro Paar, sind robust gebaut und brauchen nur AA-Batterien oder Akkus.

Die Reichweiten-Lüge

Hersteller werben gern mit “bis zu 10 km Reichweite”. Das ist technisch nicht falsch – aber nur unter Idealbedingungen: freie Sichtlinie, keine Gebäude, keine Bäume, erhöhte Position.

In der Praxis:

  • Stadt: 500 m – 1 km
  • Wald: 1–2 km
  • Offenes Gelände: 3–5 km
  • Berg zu Berg: theoretisch 10+ km

Die 500 mW Sendeleistung und die fest verbaute Stummelantenne setzen physikalische Grenzen. Wer mehr Reichweite braucht, muss auf Amateurfunk oder Betriebsfunk ausweichen – dann aber mit Lizenz.

Was ist verboten?

Auch lizenzfreier Funk hat Regeln:

  • Keine Antennenmodifikation: Die Antenne muss fest verbaut bleiben
  • Keine Leistungserhöhung: Mehr als 500 mW ist illegal
  • Keine gewerbliche Dauernutzung: Für professionellen Betriebsfunk gibt es andere Lösungen
  • Keine Störung anderer: Auch auf PMR gilt Rücksichtnahme

Verstöße können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden – die Bundesnetzagentur versteht bei Frequenzmissbrauch keinen Spaß.

PMR446 vs. Freenet vs. CB-Funk

In Deutschland gibt es mehrere lizenzfreie Funkdienste:

Dienst Frequenz Kanäle Leistung
PMR446 446 MHz 16 500 mW
Freenet 149 MHz 6 1 W
CB-Funk 27 MHz 80 4 W

Freenet hat mehr Leistung und bessere Gebäudedurchdringung, aber weniger Kanäle und ist nur in Deutschland zugelassen. CB-Funk bietet die höchste Leistung und internationale Nutzung, aber die Geräte sind größer und die 27-MHz-Antennen unpraktisch lang.

PMR446 hat sich als Kompromiss durchgesetzt: handlich, europaweit nutzbar, ausreichende Reichweite für die meisten Zwecke.

Digital: dPMR446

Seit 2015 gibt es auch digitale PMR446-Kanäle (dPMR446)¹⁰. Die Vorteile:

  • Bessere Audioqualität am Reichweitenende
  • Textmessaging bei manchen Geräten
  • GPS-Position übertragen (modellabhängig)

Der Nachteil: Digitale und analoge Geräte können nicht miteinander kommunizieren. In der Praxis dominiert analog – weil alle Geräte damit umgehen können.

Für wen lohnt sich PMR446?

  • Ja: Gelegenheitsnutzer, Familien, Outdoor-Enthusiasten, kleine Gruppen
  • Nein: Professionelle Anwender mit hohen Anforderungen, wer Reichweite über 5 km braucht, wer Verschlüsselung benötigt

PMR446 ist der Einstieg in die Funkwelt: niedrige Hürde, niedrige Kosten, sofort einsatzbereit. Wer mehr will, landet früher oder später beim Amateurfunk – aber das ist eine andere Geschichte.


Weiterführende Artikel: RTL-SDR für Einsteiger | Das 433 MHz ISM-Band

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