RTL-SDR für Einsteiger: Dein 20-Euro-Funkscanner

Wie ein DVB-T-Stick die Welt des Funks öffnet

sdr 6 Min. Lesezeit

RTL-SDR für Einsteiger: Dein 20-Euro-Funkscanner

Wie ein DVB-T-Stick die Welt des Funks öffnet

Für etwa 20 Euro kannst du einen USB-Stick kaufen, der ursprünglich für digitales Fernsehen gedacht war - und ihn in einen Breitband-Funkempfänger¹ verwandeln. Willkommen in der Welt des Software Defined Radio.


Was ist ein RTL-SDR?

RTL-SDR steht für “Realtek Software Defined Radio”². Der Name kommt vom RTL2832U-Chip³, der in günstigen DVB-T-USB-Sticks verbaut ist. Findige Bastler entdeckten 2012, dass dieser Chip weit mehr kann als nur Fernsehen empfangen.

Mit der richtigen Software wird aus dem TV-Stick ein Funkempfänger, der einen riesigen Frequenzbereich abdeckt: typischerweise 24 MHz bis 1,7 GHz. Das umfasst UKW-Radio, Flugfunk, Wettersatelliten, Amateurfunk und vieles mehr.

Das Besondere: Die gesamte Signalverarbeitung passiert in Software. Statt für jede Anwendung ein eigenes Gerät zu kaufen, brauchst du nur einen Stick und verschiedene Programme.


Was du brauchst

Hardware

Der Stick selbst - Such nach “RTL-SDR” oder “RTL2832U SDR”. Es gibt verschiedene Versionen:

  • RTL-SDR Blog V3 (~30€) - Die empfohlene Variante mit besserem Empfang und Metallgehäuse
  • Generische Sticks (~15-20€) - Funktionieren auch, aber oft mit mehr Störungen
  • Nooelec NESDR (~25€) - Gute Alternative mit stabilem Oszillator

Eine Antenne - Die mitgelieferten Mini-Antennen sind meist Spielzeug. Für besseren Empfang:

  • Teleskopantenne für UKW und breiten Empfang
  • Selbstgebaute Dipol-Antenne für bestimmte Frequenzen (siehe Antennen-Grundlagen)

Software

Für Linux:

  • GQRX - Einfach zu bedienen, gute Visualisierung

Für Windows:

  • SDR# (SDR Sharp) - Der Klassiker, viele Plugins

Für alle Systeme:

  • CubicSDR - Open Source, plattformübergreifend

Installation unter Linux

# Debian/Ubuntu
sudo apt install gqrx-sdr

# Treiber-Konflikt lösen (der DVB-T-Treiber blockiert sonst)
sudo rmmod dvb_usb_rtl28xxu

Stick einstecken, GQRX starten, als Gerät “RTL-SDR” auswählen - fertig.


Was du empfangen kannst

UKW-Radio (87,5 - 108 MHz)

Der Klassiker zum Testen. Stell die Frequenz auf deinen Lieblingssender und schau zu, wie das Wasserfall-Display die Musik visualisiert. Nicht spektakulär, aber perfekt zum Überprüfen, ob alles funktioniert.

Flugzeug-Tracking (1090 MHz)

Flugzeuge senden ihre Position, Höhe und Geschwindigkeit auf 1090 MHz - unverschlüsselt, für jeden empfangbar. Mit Software wie dump1090 siehst du alle Flugzeuge im Umkreis von 100+ Kilometern auf einer Karte.

Das ist völlig legal und wird von Diensten wie Flightradar24 genutzt. Mehr dazu im Artikel Flugzeuge tracken mit ADS-B.

Wettersatelliten (137 MHz)

Die NOAA-Satelliten¹⁰ senden Wetterkarten, die du mit einer einfachen Antenne empfangen kannst. Alle paar Stunden zieht ein Satellit über Deutschland hinweg. Mit etwas Geduld und der richtigen Software (WXtoImg) bekommst du echte Satellitenbilder - aufgenommen von deinem Dach.

Amateurfunk

Auf den Amateurfunkbändern (z.B. 144 MHz, 430 MHz) kannst du Funkamateuren beim Gespräch zuhören. Zum Senden brauchst du eine Lizenz - aber Zuhören ist erlaubt und oft interessant.

ISM-Band¹¹ (433 MHz)

Hier funken Wetterstationen, Funkthermometer und andere Haushaltsgeräte. Mit Software wie rtl_433 kannst du die Daten deiner eigenen Sensoren auslesen - praktisch, wenn der Original-Empfänger kaputt ist.


Die erste Session

  1. Stick einstecken, Software starten
  2. Frequenz auf 100 MHz stellen (UKW-Bereich)
  3. Gain¹² auf Mittelstellung - zu wenig = leise, zu viel = Verzerrungen
  4. Wasserfall beobachten - die vertikalen Linien sind Sender
  5. Auf eine Linie klicken und dem Empfang lauschen

Das Wasserfall-Display zeigt Frequenz (horizontal) über Zeit (vertikal). Starke Signale erscheinen als helle Linien. Je mehr du damit spielst, desto besser lernst du, was du siehst.


Typische Anfängerprobleme

“Ich höre nur Rauschen”

  • Gain zu niedrig? Langsam hochdrehen
  • Antenne angeschlossen?
  • Überhaupt ein Sender auf der Frequenz?

“Alles ist verzerrt”

  • Gain zu hoch - runterdrehen
  • Starker Sender in der Nähe übersteuert den Empfänger

“Der Stick wird heiß”

  • Normal bei günstigen Sticks
  • Metallgehäuse (RTL-SDR Blog V3) hilft
  • Nicht abdecken

“Die Frequenz stimmt nicht genau”

  • Günstige Sticks haben Frequenzabweichung
  • In der Software kalibrieren (PPM-Korrektur¹³)
  • Ein bekannter Sender hilft beim Abgleich

Nächste Schritte

Wenn UKW-Radio langweilig wird:

  1. Flugzeuge tracken - Installier dump1090 und schau, was über deinem Kopf fliegt
  2. Bessere Antenne bauen - Ein Dipol für 137 MHz für Wettersatelliten
  3. rtl_433 ausprobieren - Deine Wetterstation dekodieren
  4. Amateurfunk hören - 144,300 MHz ist ein guter Startpunkt

Fazit

Für 20-30 Euro bekommst du Zugang zu einem Hobby, das früher teure Spezialgeräte erforderte. Der RTL-SDR ist nicht perfekt - die Empfindlichkeit könnte besser sein, der Frequenzbereich größer - aber als Einstieg ist er unschlagbar.

Und wer weiß: Vielleicht landet auch bei dir irgendwann ein HackRF¹⁴ oder ein Airspy auf dem Schreibtisch. Die Sucht fängt klein an.


Weiterführend: Antennen-Grundlagen | Funk-Glossar

Tags
rtl-sdr sdr einsteiger tutorial hardware
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