Modulation erklärt: AM, FM, SSB und wie Information auf Funkwellen kommt
Die Grundlagen, ohne die kein SDR-Empfang Sinn ergibt
Modulation erklärt: AM, FM, SSB und wie Information auf Funkwellen kommt
Die Grundlagen, ohne die kein SDR-Empfang Sinn ergibt
Eine Funkwelle allein transportiert keine Information. Sie schwingt einfach vor sich hin - eine reine Sinuswelle¹ auf einer bestimmten Frequenz. Um Sprache, Musik oder Daten zu übertragen, muss die Welle verändert werden. Das nennt man Modulation².
Die Trägerwelle
Bevor wir modulieren, brauchen wir eine Trägerwelle³. Das ist die Frequenz, auf der der Sender arbeitet - zum Beispiel 100 MHz für einen UKW-Sender.
Die Trägerwelle hat drei Eigenschaften, die man verändern kann:
- Amplitude - Die Stärke/Höhe der Welle
- Frequenz - Wie schnell die Welle schwingt
- Phase - Wo im Schwingungszyklus die Welle gerade ist
Je nachdem, welche Eigenschaft du veränderst, bekommst du verschiedene Modulationsarten. Jede hat ihre Vor- und Nachteile.
AM - Amplitudenmodulation
Bei AM⁴ wird die Amplitude der Trägerwelle verändert. Lautes Audio = starke Welle, leises Audio = schwache Welle. Die Frequenz bleibt konstant.
Wie es funktioniert
Stell dir die Trägerwelle als gleichmäßiges Auf und Ab vor. Das Audiosignal (Sprache, Musik) wird daraufgelegt und “drückt” die Amplitude hoch oder runter. Im Ergebnis sieht die Welle aus wie eine Sinuswelle, deren Hüllkurve⁵ dem Audiosignal entspricht.
Vorteile
- Einfach zu empfangen - Ein Kristalldetektor⁶ reicht. Keine Stromversorgung nötig.
- Große Reichweite - AM auf Mittel- und Kurzwelle erreicht tausende Kilometer durch Reflexion an der Ionosphäre⁷.
Nachteile
- Störanfällig - Jede Störung (Gewitter, Motoren, Schaltnetzteile) verändert die Amplitude und wird als Knacken oder Rauschen hörbar.
- Ineffizient - Mehr als zwei Drittel der Sendeleistung stecken im Träger, der keine Information enthält.
- Begrenzte Audioqualität - AM-Rundfunk nutzt nur 9 kHz Bandbreite⁸. Das reicht für Sprache, aber Musik klingt dumpf.
Wo AM verwendet wird
- Mittelwelle-Rundfunk (531-1602 kHz) - stirbt langsam aus
- Kurzwelle (3-30 MHz) - internationale Sender, Amateurfunk
- Flugfunk (118-137 MHz) - weil Einfachheit wichtiger ist als Qualität
FM - Frequenzmodulation
Bei FM⁹ bleibt die Amplitude konstant, aber die Frequenz ändert sich. Hohe Töne = höhere Frequenz, tiefe Töne = niedrigere Frequenz.
Wie es funktioniert
Die Trägerwelle “wackelt” um ihre Mittenfrequenz herum. Bei einem 100-MHz-Sender schwankt die tatsächliche Frequenz vielleicht zwischen 99,925 und 100,075 MHz - je nachdem, wie laut das Audio gerade ist. Dieser Schwankungsbereich heißt Hub¹⁰.
Vorteile
- Störungsresistent - Störungen ändern meist die Amplitude, nicht die Frequenz. FM-Empfänger ignorieren Amplitudenänderungen.
- Bessere Audioqualität - UKW-Radio nutzt 200 kHz Bandbreite und überträgt Stereo¹¹ mit fast CD-Qualität.
- Konstante Lautstärke - Weil die Amplitude konstant ist, gibt es keinen Lautstärkeunterschied zwischen starken und schwachen Sendern.
Nachteile
- Braucht mehr Bandbreite - Ein FM-Sender belegt etwa 200 kHz, ein AM-Sender nur 9 kHz. Deshalb gibt es FM nur auf UKW, wo Platz ist.
- Begrenzte Reichweite - FM auf UKW wird nicht an der Ionosphäre reflektiert. Reichweite typisch 50-100 km (Sichtlinie).
- Komplexerer Empfänger - Ein einfacher Kristalldetektor funktioniert nicht.
Wo FM verwendet wird
- UKW-Rundfunk (87,5-108 MHz) - der Standard für Radioempfang
- Analoger Fernsehton (war)
- Amateurfunk auf VHF/UHF
- PMR-Funkgeräte¹²
- Wettersatelliten (APT auf 137 MHz)
SSB - Einseitenbandmodulation
SSB¹³ ist eine Weiterentwicklung von AM. Um sie zu verstehen, musst du wissen, was Seitenbänder sind.
Das Problem mit AM
Bei AM entstehen durch die Modulation zwei Seitenbänder¹⁴: eines oberhalb der Trägerfrequenz (USB - Upper Sideband), eines unterhalb (LSB - Lower Sideband). Beide enthalten die gleiche Information - eine Verschwendung.
Außerdem verbraucht der Träger selbst die meiste Energie, trägt aber keine Information. Er dient nur als Referenz für den Empfänger.
Die Lösung: SSB
SSB entfernt:
- Den Träger (spart ~66% Energie)
- Ein Seitenband (spart ~50% Bandbreite)
Übrig bleibt nur ein Seitenband mit der Nutzinformation. Das Ergebnis: Ein SSB-Signal belegt nur die Hälfte der Bandbreite eines AM-Signals und kommt mit einem Bruchteil der Sendeleistung aus.
Der Haken
Der Empfänger muss den fehlenden Träger selbst erzeugen - mit einem BFO¹⁵ (Beat Frequency Oscillator). Und zwar exakt auf der richtigen Frequenz. Stimmt die Frequenz nicht, klingt die Stimme wie Donald Duck (zu hoch) oder wie ein Riese (zu tief).
USB vs LSB
Per Konvention wird verwendet:
- LSB (Lower Sideband) - unter 10 MHz, also auf Kurzwelle
- USB (Upper Sideband) - über 10 MHz, also auf VHF und höher
Das ist reine Vereinbarung, technisch geht beides überall.
Wo SSB verwendet wird
- Amateurfunk auf Kurzwelle - der Standard für Sprachübertragung
- Seefunk und Flugfunk auf Kurzwelle
- CB-Funk (optional)
- Militärische Kommunikation
Digitale Modulationsarten
Moderne Kommunikation nutzt oft digitale Modulation. Die Grundprinzipien sind die gleichen, aber statt analoger Audiosignale werden digitale Bits übertragen.
ASK / OOK
ASK¹⁶ (Amplitude Shift Keying) ist die digitale Version von AM. OOK¹⁷ (On-Off Keying) ist die einfachste Variante: Sender an = 1, Sender aus = 0. Das nutzen deine Funksteckdosen und Autoschlüssel.
FSK
FSK¹⁸ (Frequency Shift Keying) ist die digitale Version von FM. Zwei leicht unterschiedliche Frequenzen stehen für 0 und 1. Robuster als OOK und daher beliebter bei Geräten, die zuverlässig kommunizieren müssen.
PSK
PSK¹⁹ (Phase Shift Keying) verändert die Phase der Trägerwelle. Moderne Systeme wie WLAN, LTE und DVB nutzen komplexe Varianten wie QPSK oder QAM²⁰, die Amplitude und Phase gleichzeitig variieren und so viele Bits pro Symbol²¹ übertragen können.
Zusammenfassung: Wann was?
| Modulation | Bandbreite | Reichweite | Störfestigkeit | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| AM | Schmal (9 kHz) | Sehr groß (tausende km) | Niedrig | Kurzwelle, Flugfunk |
| FM | Breit (200 kHz) | Mittel (50-100 km) | Hoch | UKW-Radio, PMR |
| SSB | Sehr schmal (3 kHz) | Sehr groß | Mittel | Amateurfunk, Seefunk |
| OOK | Sehr schmal | Gering | Niedrig | Funksteckdosen, Sensoren |
| FSK | Schmal | Mittel | Hoch | Digitale Kommunikation |
Für SDR-Einsteiger
Wenn du mit einem RTL-SDR empfängst, musst du in deiner Software die richtige Modulationsart einstellen:
- WFM (Wide FM) - Für UKW-Radio (87,5-108 MHz)
- NFM (Narrow FM) - Für Amateurfunk, PMR, BOS²²
- AM - Für Flugfunk, Mittelwelle, Kurzwelle
- USB/LSB - Für Amateurfunk auf Kurzwelle
Die meisten SDR-Programme erkennen automatisch, was sinnvoll ist. Aber zu verstehen, warum du USB statt AM einstellst, macht den Unterschied zwischen “es funktioniert irgendwie” und “ich weiß, was ich tue”.
Fazit
Modulation ist das Herzstück jeder Funkübertragung. Ohne sie wäre eine Trägerwelle nur eine leere Hülle. AM, FM und SSB sind die drei klassischen Analogverfahren - jedes mit seinen Stärken. Digitale Modulationsarten wie FSK und PSK bauen auf den gleichen Grundprinzipien auf, optimieren aber für Datenübertragung.
Für den Funk-Enthusiasten lohnt es sich, die Unterschiede zu kennen. Wenn du verstehst, warum Flugfunk auf AM läuft (Einfachheit, Redundanz) und Amateurfunk auf SSB (Effizienz, Reichweite), wird das Hobby greifbarer.
Und falls du dich fragst, warum dein Empfang auf einer Frequenz gut klingt und auf einer anderen nur Müll: Vielleicht hast du einfach die falsche Modulationsart eingestellt.
Weiterführend: RTL-SDR für Einsteiger | GQRX vs SDR# | Funk-Glossar
Dieser Artikel ist Teil des Hintergrundwissens zum Techno-Thriller von Kairos Aletheia. Frequenzen, SDR und Funktechnik - verständlich erklärt.
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