GQRX vs SDR#: Welche SDR-Software passt zu dir?
Die zwei großen Allrounder im Vergleich
GQRX vs SDR#: Welche SDR-Software passt zu dir?
Die zwei großen Allrounder im Vergleich
Du hast einen RTL-SDR¹ und willst loslegen. Aber welche Software? Die beiden populärsten Optionen sind GQRX (Linux/Mac) und SDR# (Windows). Beide können viel, beide haben ihre Eigenheiten.
GQRX: Der Linux-Klassiker
GQRX ist Open Source², läuft auf Linux und macOS und setzt auf eine aufgeräumte Oberfläche. Weniger Knöpfe, schneller Einstieg.
Stärken
Einfache Installation - Unter Debian/Ubuntu ein apt install gqrx-sdr und fertig. Keine Treiber-Fummelei, keine Zusatzprogramme.
Übersichtlich - Frequenz, Wasserfall³, ein paar Regler. Wer zum ersten Mal SDR macht, ist nicht erschlagen.
GNU Radio im Hintergrund - Wer tiefer einsteigen will, kann GQRX-Ausgaben in GNU Radio⁴ weiterverarbeiten.
Stabil - Läuft zuverlässig, auch auf älteren Rechnern und Raspberry Pis.
Schwächen
Weniger Plugins - SDR# hat ein riesiges Plugin-Ökosystem, GQRX nicht.
Weniger Decoder - Für Spezialanwendungen (DRM⁵, DAB+⁶, etc.) braucht man externe Programme.
Kein Windows - Zwar theoretisch kompilierbar, aber nicht offiziell unterstützt.
SDR# (SDR Sharp): Der Windows-Standard
SDR# ist die meistgenutzte SDR-Software unter Windows. Kostenlos, aber nicht Open Source. Viele Funktionen, viele Plugins.
Stärken
Plugin-Ökosystem - Für fast alles gibt es ein Plugin: Scanner, Decoder, Aufnahme-Tools, Frequenzdatenbanken.
Viele Decoder eingebaut - FM, AM, SSB⁷, CW⁸ und mehr direkt verfügbar.
Aktive Community - Viele Tutorials, viel Support in Foren.
Frequenzdatenbanken - Integration mit Online-Datenbanken für automatische Sender-Erkennung.
Schwächen
Nur Windows - Kein Linux, kein Mac (außer über Umwege wie Wine⁹ oder VMs¹⁰).
Überladene Oberfläche - Wer alle Plugins installiert, sieht vor lauter Knöpfen das Signal nicht mehr.
Closed Source - Man weiß nicht genau, was die Software macht.
Der direkte Vergleich
| Feature | GQRX | SDR# |
|---|---|---|
| Betriebssystem | Linux, macOS | Windows |
| Open Source | Ja | Nein |
| Einsteiger-freundlich | Hoch | Mittel |
| Plugin-System | Begrenzt | Umfangreich |
| Ressourcenverbrauch | Niedrig | Mittel |
| FM/AM Empfang | Gut | Sehr gut |
| Decoder | Extern | Viele eingebaut |
| Dokumentation | Gut | Sehr gut |
Und was ist mit anderen?
GQRX und SDR# sind nicht die einzigen Optionen:
CubicSDR - Plattformübergreifend, Open Source, gute Alternative zu GQRX unter Windows.
SDR++ - Moderner Newcomer, läuft auf allen Systemen, aktive Entwicklung.
SDR Console - Windows-Alternative zu SDR# mit anderen Stärken (besonders für Amateurfunk).
GNU Radio - Kein Programm zum “Radio hören”, sondern ein Framework für eigene Signalverarbeitung. Für Fortgeschrittene.
Meine Empfehlung
Linux-Nutzer: GQRX. Installieren, starten, läuft. Für Spezialfälle dann externe Tools dazuholen.
Windows-Nutzer: SDR# als Einstieg. Später vielleicht SDR++ testen, wenn die Plugin-Masse nervt.
Raspberry Pi: GQRX läuft, aber für dedizierte Aufgaben (ADS-B¹¹, rtl_433¹²) besser Kommandozeilen-Tools nutzen.
Multi-Plattform: SDR++ oder CubicSDR, wenn du auf mehreren Systemen arbeitest.
Am Ende ist die Software weniger wichtig als die Antenne. Mit einer guten Antenne und schlechter Software hörst du mehr als mit perfekter Software und der mitgelieferten Mini-Antenne.
Fazit
Beide Programme tun, was sie sollen: Funksignale empfangen und anzeigen. GQRX ist schlanker und einfacher, SDR# flexibler und erweiterbarer.
Die gute Nachricht: Du musst dich nicht für immer entscheiden. Probier beide aus (oder ihre Alternativen) und bleib bei dem, was sich richtig anfühlt. Das Hobby ist das Hören, nicht das Konfigurieren.
Weiterführend: RTL-SDR für Einsteiger | Funk-Glossar
Dieser Artikel ist Teil des Hintergrundwissens zum Techno-Thriller von Kairos Aletheia. Frequenzen, SDR und Funktechnik - verständlich erklärt.
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